Review: House of Jade in Sankt Petersburg – Mittagessen an der Nekrasova-Straße ohne Rollen und übertriebenes Pathos

Review: House of Jade in Sankt Petersburg – Mittagessen an der Nekrasova-Straße ohne Rollen und übertriebenes Pathos

Ein asiatisches Bistro vom Team von Giallo Bistro und EZO Izakaya – ohne Klischees, mit gutem Essen und angemessenen Preisen. Wir erzählen, was wir zum Mittagessen bestellt haben.
24.07.26

House of Jade eröffnete Ende Dezember an der Nekrasova-Straße 37 – in Nachbarschaft bekannter Petersburger Adressen und ganz ohne den Versuch, besonders zu wirken. Hinter dem Projekt stehen Alexander Grokhovsky, Polina Marinesko, Timur Dmitriev und Mikhail Sokolov – die Teams zweier bereits laufender Lokale. Küchenchef Alexey Trofimov ist für die Küche zuständig, die Bar stellte Artyom Gutko zusammen, für den Service im Saal sorgt Manager Vitaly Dmitrash. Das Design stammt von Snob Architects: zwei Etagen, warmes Holz mehrerer Sorten, Stahl, deutsche Stühle aus Formsperrholz, ein Cassina-Sofa und Stühle des Schweizers Bruno Rey. Unter der Decke drehen sich Ventilatorflügel, die Musik läuft über einen Vintage-Pioneer und moderne Bowers & Wilkins-Akustik – Details, die man nicht sofort bemerkt, die aber den Ton für den ganzen Raum vorgeben.

„Dieses Projekt machen wir zu einem großen Teil für uns selbst. In uns ist der Wunsch nach einem Ort gereift, der überhaupt nicht bohemien, nicht mondän ist, aber bei der Qualität der Schlüsselzutaten keine Kompromisse zulässt“ – Alexander Grokhovsky.

Auf der Karte steht Ostasien-Küche, ohne den Anspruch, die ganze Weltkarte abzudecken: keine Roti-Fladen, kein Poke, kein Pho-Bo. Alexey Trofimov hält bewusst geografische Grenzen ein – Kanton, Sichuan, Taiwan, Hongkong, Japan. Wok, Robata, Teig mit Wontons und Dim Sum, Reis – alles funktioniert innerhalb einer Logik. Die Bar ist kompakt zusammengestellt: Sake, Baijiu, taiwanesischer Whisky, asiatische Liköre, drei Highballs vom Fass und ausgewählte Tees statt Limonaden. Der Durchschnittsbon liegt bei etwa 1.600 Rubel.

Interieur des Restaurants House of Jade in der Nekrasova-Straße in Sankt Petersburg

Was wir probiert haben

Salat mit Fenchelknolle, Gurke und Garnele – 590 ₽. Ein leichter, erfrischender Start: gute Garnele, knackige Gurken, ein Dressing mit klarem Charakter. Als Vorspeise genau richtig, ohne unnötige Gabelarbeit.

Pilzbrühe mit Hühner-Wontons – 590 ₽. Die Brühe ist kräftig, mit reichlich Kräutern – an der Geschmackstiefe gibt es nichts auszusetzen. Die Wontons hatten beim Servieren etwas an Form verloren, und es war etwas mehr Salz als gewünscht. Ein solides Gericht, aber nicht ohne Anmerkungen.

Smashed Cucumbers – 490 ₽. Knackig, mit leichter Schärfe, Sojasauce, Sesam, Koriander, roten Zwiebeln und Cashewnüssen. Eine schmackhafte Vorspeise, auf die wir aber rund fünfzehn Minuten warten mussten – man hatte uns vorher gewarnt, warum es allerdings so lange dauerte, blieb unklar.

Taipei-Reis mit Rindersteak vom Grill – 850 ₽. Locker-körniger Reis mit guter Würzung, das Eigelb obendrauf passt organisch dazu. Das Steak wurde medium rare bestellt, kam aber eher medium – eine kleine Abweichung, doch bei diesem Preis funktioniert das Gericht trotzdem.

Taipeh-Reis mit Steak vom Grill im House of Jade

House of Jade ist ein Ort, der nicht versucht, Eindruck zu machen – und gerade deshalb macht er ihn. Der Service kommt ohne Förmlichkeit aus: Das Personal kennt sich mit der Karte aus, Wasser ist kostenlos, man kommt zielgerichtet an den Tisch. Der QR-Code mit den Gerichtbeschreibungen ist eine Kleinigkeit, aber praktisch. Es gibt eine Besonderheit bei der Küche: Sie ist klein, deshalb kommen die meisten Gerichte, sobald sie fertig sind, und nicht streng nach Gängen. Darauf wird sofort hingewiesen – das ist ehrlich, bringt beim Mittagsrhythmus aber etwas aus dem Takt. Rückmeldung wurde bei uns nur zum Steak eingeholt – etwas mehr Aufmerksamkeit für den Tisch insgesamt wäre schön gewesen.

Bei alledem ist das Fazit eindeutig. Vier Positionen ergaben eine angemessene Rechnung, das Essen ist mit Verständnis gemacht, der Raum angenehm und nicht bedrückend. Das asiatische Bistro an der Nekrasova-Straße erfüllt ein konkretes Bedürfnis: ohne Hektik zu Mittag essen, mit Bier und Musik zu Abend essen, zu sechst kommen, ohne über Logistik nachzudenken. Auf zwei Etagen finden mehr als hundert Gäste Platz, laut wird es hier trotzdem nicht – die Aufteilung erlaubt es mehreren Gruppen, parallel zu existieren. Ein Ort mit eigener Atmosphäre und klarem Konzept – wir nehmen ihn mit Überzeugung in den Guide auf.

24.07.2026

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