Die besten Bars in Sankt Petersburg

Die besten Bars in Sankt Petersburg

Elf Petersburger Bars für unterschiedliche Abendszenarien: Cocktails, Wein, Craft-Bier, Billard, Kabarett und Aperitifs mit Negroni.
24.07.26

Manchmal versteht man eine Stadt am besten nicht über ihre Restaurants, sondern über ihre Bars – daran, wie dort Getränke, Menschen und Stimmung gemischt werden.

Die besten Bars in Sankt Petersburg sind mehr als nur Lokale mit Barkarte. Es sind eigene Welten mit eigener Logik, eigenem Publikum und eigenem Anlass. Die Stadt versteht es, Konzepte zu erfinden, die sich nicht in eine einzige Kategorie pressen lassen: Hier kann eine Cocktailbar gleichzeitig Galerie und Listening-Bar sein, eine Craft-Brauerei ein vollwertiges Restaurant, und eine Tapas-Bar auf der Petrograder Seite der spanischste Ort westlich von Barcelona. In dieser Auswahl stehen elf Adressen, die die Redaktion von The Taste nicht nach Popularität, sondern nach Charakter ausgewählt hat. Darunter der Kult-Ort El Copitas, der den achten Platz im Weltranking 50 Best Bars belegt, eine italienische Aperitif-Bar mit Negroni-Brunnen, das theatralische „Kabinet“ im Stil vorrevolutionärer Geheimverstecke und eine Bar der Brauerei AF Brew in den Mauern der ehemaligen Stepan-Rasin-Fabrik. Cocktailbars in Sankt Petersburg stehen hier neben Weintresen, Trinkstuben und Räumen mit Billardtischen – denn ein Petersburger Abend ist selten eindeutig. Wählen Sie nach Stimmung: Wir haben die Akzente gesetzt, den Rest überlassen wir Ihnen.

AF Brew Taproom hat das Gelände der ehemaligen Stepan-Rasin-Fabrik übernommen, und der industrielle Hintergrund wirkt hier nicht schlechter als ein Schild. Beton, Bogengewölbe, offene Rohre und massive Holztische geben sofort einen direkten, etwas rauen Ton vor. An den Zapfhähnen läuft die eigene Linie von AF Brew: von verständlicher Klassik bis zu experimentellen Sudreihen mit überraschenden Zutaten, dazu Positionen russischer und ausländischer Brauereien. Zum Bier gibt es Snacks und indische Gerichte – die Kombination überrascht zunächst, wirkt dann aber natürlich. Ein Ort für einen zwanglosen Abend, aber mit Aufmerksamkeit für das, was ins Glas kommt.

Atele in der Lakhtinskaya-Straße funktioniert wie ein kleines Barcelona auf der Petrograder Seite: eine Kupferlampe, ein gemeinsamer Holztisch statt der gewohnten Theke, bemalte Wände und die Neonschrift „No Bad Days“. Die Küche stützt sich auf den spanischen Josper-Grill, der mit Weinreben befeuert wird: Fleisch, Fisch und Gemüse erhalten eine klare Rauchnote. Küchenchef Vladimir Vorgulev stellt die Karte aus Iberico-Schinken, baskischen Pintxos, Oktopus mit Püree und Machete mit geräucherter Süßkartoffel zusammen. In der Bar gibt es Orujo, Pacharán, galicischen Cidre und Gins. Im Sommer macht die Terrasse den Ort noch lauter und freier.

Big Wine Freaks ist eine Champagner-Bar, in der Wein den Abend nicht nur begleitet, sondern zu seinem Anlass wird. Innen herrscht Loft-Ästhetik: Ziegel, Glas, Metall, Holz und große Kristalllüster über der geschwungenen Theke. Die Karte setzt auf Biodynamik und Autoren-Champagner – dahinter steht keine Mode, sondern eine konsequente Haltung. Man kommt nicht wegen eines universellen Glases „zu irgendetwas“, sondern für ein Gespräch über Geschmack, Stil und Erzeuger. Partys gibt es, doch den Ton gibt trotzdem die Weintheke vor: Der Ort bleibt einer der bekanntesten für alle, die bewusst trinken möchten.

El Copitas begann als Abenteuer dreier Freunde und wuchs zu einer der bekanntesten Bars des Landes heran: 2021 schaffte es das Projekt unter die Top acht der 50 Best Bars. Nach der Renovierung zum zehnjährigen Jubiläum wurde der Raum dunkler und symbolträchtiger: DA Bureau gestaltete das Interieur als Allegorie einer niedergebrannten Kirche mit mesoamerikanischen Ornamenten und einer dichten Bar-Dramaturgie. Igor Zernov, Artyom Peruk und Nikolay Kiselyov haben das Wichtigste bewahrt – das Gefühl einer geschlossenen Welt, in die man nicht einfach nur wegen eines Cocktails gelangt. Mezcal ist hier keine Zutat, sondern die Sprache, in der die Bar mit dem Gast spricht.

„Khorovod“ von AF Brew zeigt, dass eine Trinkstube gesammelt und modern sein kann, ohne ihre Einfachheit zu verlieren. Im Haus der Bassejnoje-Genossenschaft werden Spirituosen zum Hauptthema: russische und ausländische Destillate, hausgemachte Ansätze mit Kimchi, Tonkabohnen, Macadamia und Maracuja. Bier gibt es ebenfalls, aber schon als Teil des Gesamtsystems und nicht als einziger Anlass. Zum Essen gibt es Eingelegtes, Tapas, Waffeln, Draniki. Der helle Saal mit Fenstern zum Nekrassow-Garten und einem historischen Rahmen in der Trennwand macht den Abend überraschend sanft. Ein Ort, einfach in der Form, aber sehr durchdacht in den Details.

„SHUM“ befindet sich im Museumshaus von Vladimir Mayakovsky, und diese Adresse gibt sofort eine besondere Optik vor. Innen funktioniert der Raum wie eine Bühne: Man kommt hierher nicht nur zum Trinken, sondern um Teil des Programms zu werden. Mittwochs und donnerstags finden Poetry-Slams, Vorträge und Buchclub-Treffen statt, am Wochenende Live-Musikauftritte. „Kabarett“ im Namen ist keine Retro-Stilisierung, sondern eine genaue Beschreibung des Formats, in dem Kunst und Party an einem Tisch existieren. Man muss nicht mit einem Plan kommen: Der wurde bereits für einen geschrieben, man muss nur den Abend auswählen.

„Kabinet“ ist als theatralische Fantasie über das vorrevolutionäre Russland zur Zeit der Prohibition gebaut, als man nur in versteckten Zimmern der Restaurants trinken konnte. Halbdunkel, Kerzen, strenge Anzüge der Barkeeper und Livemusik dienen nicht als Dekoration, sondern als Spielregeln. Die Karte umfasst 38 Cocktails, gestaltet wie ein Tarot-Kartendeck; bei einem Glas kann man Poker spielen. Der Ort eignet sich für ein Date, ein Geschäftstreffen in ungewöhnlicher Umgebung oder einen Abend mit Freunden. Wichtig ist: Die Inszenierung wird hier nicht zum Museum – die Rolle ist gut gespielt, doch innen bleibt eine lebendige Bar.

In Octave ist der Sound kein Hintergrund, sondern der Grund zu kommen. Am Eingang stehen zwei Hi-Fi-Anlagen: ein Altec Lansing von 1978 mit Röhrenverstärkung und der handgefertigte Pitt & Giblin Superwax. Drumherum dunkles Holz, niedrige Tische, Vintage-Licht, Schallplatten und Werke Petersburger Galerien. Die Barkarte stellte Nikolay Orekhov zusammen: Lemon Pie Negroni, Perfect Mojito mit Gin und Agricole, Adonis Russian Tea. Auch der Weinbereich ist ernstzunehmen – über hundert avantgardistische und terroirgeprägte Etiketten. Am Wochenende gibt es hier DJs und Tanz, unter der Woche Vinyl und Gespräche, ohne den Saal überschreien zu müssen.

Orthodox am Platz des Aufstands baut seine Barkarte wie ein Wörterbuch der russischen Kultur auf. Jeder Cocktail ist an einen Namen oder ein Werk gebunden: „Der Nussknacker“ auf Buchweizenwodka und Met verweist auf Tschaikowsky, „Dornröschen“ mit Sekt und Kamillenlikör auf die Ballettästhetik. Das ist nicht nur ein Spiel mit Namen, sondern eine Art, über vertraute Codes ein Gespräch zu beginnen. Eine halbrunde Theke, Ledersofas und eine Mischung aus Loft und High-Tech halten den Raum zwischen intim und dynamisch. Eine gute Wahl für einen Abend, an dem man nicht nur trinken, sondern eine Geschichte im Glas erleben möchte.

Solids verbindet einen Billardclub und eine Cocktailbar so, dass das eine nicht wie ein Anhängsel des anderen wirkt. Das Interieur ist von Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ und amerikanischen Motels der Mitte des vergangenen Jahrhunderts inspiriert: Mid-Century mit Ironie, aber ohne direkte Nostalgie. Der Raum gliedert sich in drei Zonen: einen Cocktailsaal vor dem Spiel, einen Hauptraum mit zwei Pooltischen und den Orange Room – ein separates, nach David Lynch gestaltetes Zimmer, das man reservieren kann. Auf der Karte stehen Gemüse mit Hummus und Junkfood, in der Bar Klassiker und Autorenversionen. Der Rhythmus des Abends ist klar: trinken, spielen, wiederholen.

Tagliatella Caffe baut den Abend um die italienische Aperitif-Kultur herum auf. Hinter der Theke arbeitet ein weibliches Team in weißen zweireihigen Jacken und markentypischen Tüchern, und die visuellen Referenzen sind sofort erkennbar: Harry's Bar, Camparino in Galleria, Klassik ohne Museumscharakter. Das Hauptsymbol ist der Brunnen „Oleg“, aus dem sich der Gast selbst Negroni einschenkt – eine einfache, aber einprägsame Geste. Auf der Karte stehen Amaro, Bitter, Wermut, saisonale Cocktails und der „Bittere Dienstag“ mit Destillat-Verkostung. In der offenen Küche werden Pasta und Pizza von Hand gemacht, damit der Aperitif nicht ohne Essen bleibt.

24.07.2026

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