Die Restaurantgemeinschaft italy hat ihr Petersburger Projekt nach Moskau gebracht — Joli Grand Bistrot an der 2. Swenigorodskaja, im Quartal Lucky. Brand-Chef Viktor Kislinsky und Küchenchef Vadim Borisikhin gestalten eine moderne europäische Küche ohne Anspruch, aber mit Charakter.

Der zweistöckige Saal mit fast zwölf Meter hohen Decken und einem panoramaartigen Bogenfenster gibt vom ersten Blick an den Ton vor. Die architektonische Hülle — ein historisches Gebäude der ehemaligen Fabrik der Gebrüder Mamontow — blieb erhalten, doch im Inneren errichteten Evgeny Neymand und sein Neymand Studio einen völlig anderen Raum: Wandmalerei nach Motiven von Henri Rousseau, Lichtkompositionen in Zweigform, handgefertigtes Fayence-Geschirr von GIEN, Textilien mit Ornamenten im Geiste von William Morris. Am Eingang: eine geschnitzte Holzfassade der eigenen Konditorei und das Schaufenster des Blumenladens Flowerna: das Gefühl einer kleinen französischen Straße, die zufällig in einem Moskauer Viertel gelandet ist.

Unser Restaurantführer-Team hat lange auf das Moskauer Joli gewartet — nachdem wir uns einst in das Petersburger Projekt verliebt hatten.

Auf der Karte steht Essen, zu dem es einen ohne besonderen Anlass hinzieht: Tatar, frische Salate, Pasta, Fisch, Fleisch. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Saucen: neben den gewohnten Hollandaise und Vinaigrette stehen Klassiker der französischen Küche, Mignonette und Café de Paris. Vadim Borisikhin, Absolvent der Pariser Le Cordon Bleu und Praktikant im Michelin-Restaurant L'Impertinent, leitet die Küche gemeinsam mit Brand-Chef Viktor Kislinsky, der zehn Jahre bei italy und Jahre in den besten italienischen Restaurants Petersburgs vorzuweisen hat.

Die Dessertkarte stellte Brand-Chef-Konditor Andrey Sokolnikov zusammen — Preisträger des Awards „Beste der Branche“ in der Kategorie „Konditor des Jahres“, der ein Praktikum im Michelin-Restaurant Frantzén absolvierte. Seine Signature-Positionen: „Goldene Nuss“, Medowik und Tarte mit Walderdbeeren — eine Neuinterpretation der Klassik ohne Ironie, aber mit Präzision. Die Bar ist nach derselben Logik aufgebaut: Die Autorencocktails von Chef-Barkeeper Aleksandr Nekrasov stehen neben Klassikern, und die Weinkarte vereint rund 250 Etiketten mit Schwerpunkt auf Frankreich und Italien.

Unsere Test-Gäste vergaben 9 von 10 Punkten für das Frühstück — für den hellen Saal, die Aufmerksamkeit für Details bei Deckung und Geschirr, das allgemeine Heimgefühl. Für das Abendessen — 8 von 10: Der hohe Saal und der eingespielte Service schaffen eine Atmosphäre, die Eleganz mit dem Format eines Alltagsortes verbindet. Mit der Zeit wird der Raum um eine Garten-Terrasse mit Obstbäumen ergänzt, in der das Interieur fließend in die Landschaft übergeht.