Das zweite Moskauer Café von Nothing Fancy eröffnete in Chamowniki — in einem Wohnviertel an der Ussatschjowa-Straße. Henri Baer und Steven Sharma bewahrten gemeinsam mit Brand-Chef Roman Kisseljow die Formel ehrlicher Smart-Comfort-Küche und fügten ihr einen häuslicheren, fast nachbarschaftlichen Charakter hinzu.

Nothing Fancy in Chamowniki ist nicht einfach der zweite Standort nach dem erfolgreichen an der Petrowka. Henri Baer und Steven Sharma dachten ihn von Anfang an anders: nicht als Ort zum Kennenlernen der Marke, sondern als Ort, zu dem man bereits zurückkehrt. Das Café ist in den Wohnkomplex Sadowyje Kwartaly an der Ussatschjowa-Straße integriert — und selbst so organisiert, dass es Teil des Wohnrhythmus des Viertels ist, nicht ein Lokal, zu dem man extra hinfährt.

Nach Meinung des Teams unseres Restaurantführers ist der glutenfreie Quarkauflauf mit einer knusprigen Karamellkruste — wie bei einem Crème brûlée — eines der Hauptargumente für ein Frühstück hier.

Brand-Chef Roman Kisseljow baut das Menü um den Begriff Smart-Comfort auf: durchdachtes Essen, aber ohne demonstrative Komplexität. Frühstück bedeutet hier Hirsebrei, grünen Buchweizen mit Pilzen und pochiertem Ei, Miso-Suppe mit Tofu und Grünkohl. Die Bowls — eine skandinavische mit Lachs Gravlax und Fenchel oder Harvest mit Wildreis und Nuss-Kürbis-Hummus — richten sich an alle, die bewusst essen, aber beim Essen nicht darüber nachdenken möchten. Die Bar arbeitet im selben Geist: Neben klassischem Kaffee — Oil Coco Raf, Rose Matcha und funktionale kalte Getränke mit hohem Proteingehalt.

Das Interieur entwarf das Studio Edxxkat — Eduard Jeremtschuk und Katja Pjatizkaja. Zwei Stockwerke und acht Meter Deckenhöhe geben den Maßstab vor, doch der Raum wirkt nicht erdrückend: im Erdgeschoss — die Küche im Blick und schneller Sitzplatz, im ersten Stock — ein weiter Saal mit Sofas, einem Gemeinschaftstisch und einem Bildschirm für Selbstbestellungen. Beton mit Aufschriften, die noch aus der Bauzeit stammen, steht neben warmem Holz und grünem Velours. Der Gemeinschaftstisch mit farbig gefärbtem Glas ist ein neues Element, das es in den vorherigen Projekten des Teams nicht gab. Künstlerin Arina Schabanowa schuf für diesen Standort ein eigenes Werk — es ist ins Interieur eingebettet und nicht nur pro forma aufgehängt.

Unsere Testesser gaben 7 von 10 Punkten für das Frühstück — für die stabile Qualität der Gerichte, aufmerksames Personal und das Gefühl, dass das Café sich wirklich um den Gast kümmert und ihn nicht nur füttert.

Nothing Fancy in Chamowniki ist ein Café, in dem Frühstück, Bowls und Smoothies nicht als Trend existieren, sondern als Gewohnheit. Genau das war offenbar von Anfang an das Ziel.