Das Restaurant Closer in der Tawritscheskaja-Straße ist ein Petersburger Projekt von Andrei Jermischkin und Nasara Kolomiez mit der Autorenküche von Marija Dementjewa und Blick auf den Tawritscheski-Garten.

Der Raum wurde als Restaurant konzipiert, in dem Saal, Küche, Wein, Licht und Interieurgegenstände dieselbe Sprache sprechen. Für die Architektur verantwortlich sind Alexei Penjuk und Anastassija Artemjewa vom APAA Studio: Sie haben ein ruhiges, fast galerieartiges Interieur ohne demonstrativen Luxus geschaffen. Der Speisesaal ist voller Luft, durch die großen Fenster sieht man den Tawritscheski-Garten, und ein separater Raum für private Abendessen ist für eine kleine Gesellschaft ausgelegt und lebt als eigenständiges Szenario innerhalb des Projekts.

Nach Meinung des Teams unseres Restaurantführers ist das offene Feuer hier das inhaltliche Zentrum der Küche und des gesamten Raums.

Marija Dementjewa — Brand-Chef und Mitgründerin von Closer und Saro — baut das Menü nicht um ein konkretes Land herum auf, sondern um Glut, Rauch und verschiedene Zubereitungsarten über Feuer. In der Küche werden zwei Öfen verwendet: ein italienischer Holzofen und ein spanischer Kohleofen. Deshalb erschließt sich die Hauptidee ohne Erklärung: Die Produkte durchlaufen das Feuer, erhalten einen tieferen Geschmack und werden Teil des Gesamtbildes des Restaurants, nicht nur einzelne Positionen im Menü.

Die Weinkarte ist hier nicht als Beilage zum Abendessen gedacht, sondern als Bibliothek. Chef-Sommelière Angelina Gaiworonskaja (Saro) stellt eine Auswahl zusammen, bei der seltene Flaschen, richtige Lagerung und die Stimmung des konkreten Abends wichtig sind. Der Barbereich ist anders aufgebaut, aber mit derselben Aufmerksamkeit: Jelena Latypowa, Chef-Barkeeperin von Giallo, verbindet japanische und europäische Motive — von der Zitrusfrische von Yuzu bis zu dichteren, parfümierten Nuancen in Getränken auf Sake-Basis.

Der Private Room wurde für kammermusikalische Events geschaffen und wirkt eher wie ein geschlossenes Wohnzimmer eines Sammlers als wie ein gewöhnlicher Bankettsaal. Im Inneren — ein Tisch von Carlo Scarpa, Sessel von Mario Bellini, ein Ledersofa von Cini Boeri, eine Audioanlage auf Basis von Technics und Dali sowie Vintage-Leuchten von Joe Colombo und Bruno Gatta. Diese Details werden nicht des Status wegen aufgezählt: Sie geben den Maßstab vor, in dem sich das Abendessen in einen privaten Abend mit eigenem Rhythmus verwandelt.

Im Projekt sind sogar Elemente durchdacht, die in Restaurants oft im Hintergrund bleiben. Das Studio Not For Sale von Natalja Moskwina fertigte für das Team Kleidung aus dichtem Nesselstoff und Baumwollhosen mit lockerem Schnitt; sie widerspricht nicht dem Interieur und wirkt nicht wie eine Dienstuniform im gewohnten Sinne. Den visuellen Teil entwickelten Alexandra Achramenko und Jewgeni Jelgin von The Sense: Die Grafik verweist auf den Punk der 1970er Jahre, bleibt aber geschlossen und präzise.

Unsere Testesser gaben 8 von 10 Punkten für das Abendessen — für die Geschlossenheit der Idee und die Aufmerksamkeit dafür, wie sich der Abend zusammensetzt: vom ersten Blick auf den Saal bis zum letzten Glas am Tisch. Closer ist wichtig nicht durch ein einzelnes effektvolles Detail, sondern dadurch, dass sich das Konzept durch den gesamten Raum zieht: Ofen, Geschirr, Wein, Musik, Licht, den separaten Raum und die Arbeit des Teams.

Restaurant Closer an der Tawritscheskaja in Sankt Petersburg: Fotos, Adresse, Telefon. The Taste — Restaurantführer.