Roots le petit bar ist eine kammermusikalische Bar in der Blochina-Straße vom We-Lodge-Team: französische Küche von Vladimir Batov, Cocktails von Ilya Astafiev und ein Interieur im Geiste eines privaten Salons.

Der Raum der Bar in der Blochina-Straße erinnert auf den ersten Blick an die Lobby eines kleinen europäischen Hotels. Kseniya Smirnova von Paloma Cantina hat das Interieur um warme Goldtöne, tiefes Blau, Bücherregale, Vintage-Möbel und Marmor herum gestaltet. Unten befindet sich eine Bibliothekswand mit Kunstbänden, ein venezianischer Kronleuchter und schwere Stoffe; oben, auf der Empore, verbirgt sich ein eigener Saal für kleine Gesellschaften mit Beamer, Weinschrank und eigener Toilette. Insgesamt gibt es hier rund dreißig Plätze, sodass der Maßstab von Anfang an einen privaten, fast salonartigen Rhythmus vorgibt.

Nach Meinung des Teams von The Taste: Hier überzeugen sowohl die Klassiker als auch die vintage-artigen Autoren-Twists, und der Umfang der Weinkarte beeindruckt sofort.

Für die Getränke ist Ilya Astafiev von Gin Tonic verantwortlich. Die Cocktailkarte enthält viele Martinis: trockene klassische Versionen, eine Variante mit japanischem Gin und Tomatenlikör sowie ein Getränk auf Vermouth-Basis mit Orangenbitter. Auch der Negroni wird in mehreren Richtungen entfaltet — von der Prosecco-Version bis zur Kombination mit Parmesan-Gin. Für Gäste ohne Alkohol werden Getränke auf Pfirsich-, Basilikum-, alkoholfreier Gin- und Sprudelbasis gemixt. Die Weinkarte übertrifft in ihrem Umfang deutlich, was man von einer kleinen Bar erwarten würde: Sie enthält viele Positionen und setzt klar auf eine ernsthafte Auswahl statt auf eine formale Ergänzung zu den Cocktails.

Die Küche leitet Vladimir Batov, Chefkoch von We Lodge. Das Menü folgt der Logik eines französischen Bistros: wenige Positionen, wiedererkennbare Produkte und eine Präsentation ohne überflüssige Schwere. Zum Aperitif passen Tartine mit Radieschen und gesalzener Butter, Eier „Mimosa“ mit Sardinen, Truthahnpastete mit Zwiebelchutney oder Lachs mit einer Sauce auf Joghurt-Gurken-Basis. Für ein üppigeres Abendessen gibt es Schnecken mit Knoblauchbutter, Rindertatar mit Eigelb, Tagliata und ein warmes Mini-Sandwich mit Brie und Trüffel. Die eindrucksvollste Position sind Pommes frites mit saurer Sahne und schwarzem Kaviar: Das Gericht wirkt wie ein festlicher Bar-Snack, kommt der Stimmung nach aber eher einer kleinen gastronomischen Geste gleich. Zum Nachtisch gibt es Schokoladenmousse mit leichter Bitterkeit oder Madeleines mit Sahne und Zitronenschale.

Ein eigenes Szenario ist die englische Teezeremonie. Den Gästen wird eine hölzerne Schatulle mit mehreren Teesorten gezeigt: darunter Darjeeling, ein grüner Blend mit Zitrus und weißer Tee mit fruchtigen Noten. Zu den Getränken wird ein mehrstöckiger Vintage-Ständer mit Mini-Sandwiches, Scones, Marmelade, Creme, Waffelröllchen, Madeleines und Macarons gereicht. Dieses Format passt gut zum Interieur: Porzellan, Marmor, silbernes Besteck und kleine Portionen machen die Teezeremonie nicht zu einer Nachmittagspause, sondern zu einem eigenen Anlass zu kommen.

Die Bar liegt in einer ruhigen Ecke der Petrograder Seite, am Anfang der Blochina-Straße, und wirkt eher wie ein Ort für einen durchdachten Abend als wie eine gewöhnliche Cocktailadresse. Hierher lohnt es sich für Martini, Negroni, Wein, französische Vorspeisen und eine Atmosphäre, in der jedes Detail — vom Geschirr bis zum Licht — hilft, sich wie in einem kleinen privaten Salon zu fühlen.