Niki Piano Bar von der Lucky Group ist ein Restaurant in der Bolshaya-Nikitskaya-Straße, in dem sich die moderne russische Küche von Brand-Chef Dan Miron mit Live-Musik rund um einen restaurierten Flügel verbindet.

Der Saal mit 70 Plätzen ist um einen restaurierten Flügel herum aufgebaut – er gibt dem gesamten Raum buchstäblich den Takt vor. Designerin Evgenia Uzhegova beschreibt das Konzept als Kokon: honigfarbenes Streulicht, eine Glasmalerei-Bar mit bunten Lichtreflexen, französische Vorhänge an den Fenstern – all das schirmt die Gäste vom Lärm der Bolshaya Nikitskaya ab. Eine bemalte Garderobe mit Motiven russischer Natur und geheime „Logen“ im hinteren Teil des Saals erinnern an die Kabinette von Restaurants der Kaiserzeit. Den Eingangsbereich beherrscht ein Gemälde von Grigory Mayofis, einem Künstler, der in der seltenen Technik der Bromölmalerei an der Schnittstelle von Malerei und Fotografie arbeitet. Zu sehen ist ein Bär am Flügel, eine Figur, die zum Gesicht der Piano-Bar wurde. Werke von Mikhail Psyurnikov, Anastasia Motina und Olivia Lem stehen neben antiken Plüschbären im offenen Regal.

Nach Einschätzung des Teams unseres Restaurantführers hält man sich im Niki Piano Bar gerne auf, das Publikum ist angenehm, der Saal wird zum Abend hin lebendig – doch nach dem Abendessen blieb kein Wunsch, wiederzukommen.

Die Küche von Dan Miron greift vertraute russische Anlässe zum gemeinsamen Essen auf, serviert sie aber ohne museale Wörtlichkeit. Am Anfang der Karte steht Kaviar mit zwei Serviervarianten: einer eher hausgemachten mit Oladji und Sauerrahm oder einer frischen mit gekühltem Gemüse. Zu starkem Alkohol werden salzige Vorspeisen, lange geschmorter Cholodez, Speck und Senf angeboten. Danach folgen Gerichte mit stärker restauranthafter Note: Krabbe im Kartoffel-Rösti, kleine Tschebureki mit verschiedenen Füllungen, Sandwiches, Fisch und Meeresfrüchte. Im Warmspeisen-Abschnitt setzen Pelmeni, gedämpfter Muksun mit Spargel und Lachskuchen mit Kaviarsauce den russischen Kanon fort. Zum Süßen gibt es eine Autorenversion der „Kartoffel“ mit trüffelartiger Dichte und Cognac-Akzent, eine Baiser-Rolle mit Nusscreme und Frucht-Beeren-Sorbets.

Für die Getränke verantwortlich sind Chef-Barkeeper Maksim Gorelik und Bar-Manager Yuriy Shaiditsky. In ihrer Karte verbindet sich alte Moskauer Trinkkultur mit restauranthafter Sorgfalt: Hochprozentiges wird stark gekühlt serviert, Naliwka kommt in Karaffen mit Vintage-Stimmung, und die Cocktails balancieren zwischen lokalen Geschmäckern und französischen Verweisen. Wodka wird mit Gurkenfrische und Tonic gemixt, schwarze Johannisbeere nach der Logik des French 75, Melone im Sgroppino-Format. Auch der alkoholfreie Bereich stützt sich auf vertraute russische Assoziationen: Kissel mit Mandarine und Kwas aus Ananas mit Gartenkräutern. Beim Wein liegt der Hauptfokus auf Champagner, daneben gibt es eine eigene Auswahl russischer Etiketten.

Live-Musik erklingt täglich: Gastkünstler spielen wiedererkennbare Melodien, und dieses Format macht jeden Abend ein wenig unvorhersehbar. Es lohnt sich allerdings, die Tischplatzierung zu bedenken – nach Beobachtung des Teams unseres Restaurantführers muss man am Flügel das Gespräch mit erhobener Stimme führen, während die entfernteren Plätze im Saal deutlich mehr Komfort bieten. Beim Service gab es zum Zeitpunkt des Besuchs noch Fragen: lange Wartezeiten auf Getränke und eine unsynchronisierte Ausgabe der Gerichte an verschiedene Gäste. Der Ort zieht ein angenehmes Publikum an, und zum Freitagabend ist der Saal voll – ein Gefühl der Abgerundetheit stellt sich bislang aber noch nicht ein.